Texte auszugsweise aus einer Zusammenfassung zur 40 Jahr-Feier des Alters- und Pflegeheims von Stadtarchivar Michel Guisolan. Die detaillierte Ausgabe finden Sie bei unseren Downloads.

Geschichte

Vom Mittelalter bis zur Eröffnung des Altersheims 1963 wurden alte und betreuungsbedürftige Personen im Bürgerasyl gepflegt.

Drei Monate vor ihrem frühen Tod vermachte Clara Dietiker-Mettler (1894 – 1950) der Stadt Stein am Rhein ihren gediegenen Jugendstil-Wohnsitz, die „Villa Wellauer“, samt einem parkähnlichen Umschwung mit der Auflage „….in dem Hause ein Heim für alte Leute zu errichten mit dem Namen Clara-Dietiker-Heim. Es sollen darin die der öffentlichen Fürsorge anheim fallenden Leute Aufnahme finden, auch solche, die sich zu verpfründen wünschen.“

Der erste Neubau

Mit diesem grosszügigen, philanthropischen Akt war der Grundstein für ein neues zeitgemässes Altersheim gelegt. Bereits sechs Jahre nach ihrem Tod begann man mit der Planung. Erst ein drittes Projekt wurde vom Stadt- und Einwohnerrat sowie der Einwohnergemeindeversammlung genehmigt. Dieses Bauvorhaben ging allerdings weit über die Absicht der Stifterin hinaus, indem es nicht nur die Nutzung der Villa Wellauer – ohnehin kein einfaches Problem – vorsah, sondern auch einen grosszügigen, leicht zurückversetzten Annexneubau im Osten der Villa. Planung und Bau wurden in einer Art vorgenommen, dass künftige Um- und Erweiterungsmöglichkeiten gewährleistet waren, was sich als sehr weitsichtig erweisen sollte. Zudem gelang es in den Neunziger Jahren der Stadt, im Westen der Liegenschaft ein gösseres Grundstück (Areal Irmiger) als Reserve für spätere Zeiten zu erwerben.

Im April 1963 fand die Einweihung des Altersheims statt. Das Clara-Dietiker-Heim bot jetzt über 40 Pensionären Platz, wobei sich die meisten ein Zimmer teilen mussten. Zu diesem Zeitpunkt waren es allerdings nur betagte und durchaus noch aktive Personen, die hier einen Wohnsitz fanden. Pflegebedürftige Fälle gingen nach wie vor nach Schaffhausen ins Kantonale Pflegeheim.

Eine düstere Zeit...

Der Wandel zum Alters- und Pflegeheim

In der zweiten Hälfte der Siebziger Jahre traten ernsthafte Probleme auf, deren Ursachen vielfältig waren und von aussen her noch zusätzlich extreme Polarisierung erfuhren. Die Angelegenheit mündete in einen eigentlichen „Altersheimskandal“, einer jahrelangen Auseinandersetzung (1976 -1979), die in der Folge einen Prozess, die Verurteilung der involvierten Ärzte und den vorzeitigen Ruhestand der Altersheim-Eltern auslöste.

1980 wurden die Probleme analysiert und führten u.a. zu vier Massnahmen:

- die Erstellung einer Altersplanung 1980
- die Einführung einer Aufsichtsbehörde in Form der Altersheimkommission
- die Reduktion des Pensionärsbestandes
- Abklärung für allfällige bauliche Veränderungen um den Pflegebedürfnissen gerecht zu werden

Daraufhin wurden die Planung und die Grundsteinlegung für einen Neubau unverzüglich an die Hand genommen. Zwischen 1987 und 1989 entstand dieser, gegenüber dem ersten Neubau nochmals nach hinten versetzte, fünfgeschossige Trakt. Gleichzeitig unterzog man auch die Villa und den Mitteltrakt einer umfassenden Neugestaltung. Dank einer generalstabsmässigen Arbeit des Fürsorgereferenten und ab März 1987 des neuen Verwalters Herbert Maissen, konnte im September das Gebäude eingeweiht werden.

Jetzt verfügte das Heim über neue Speise- und Allgemeinsäle, eine Cafeteria, einen Pedicure- und Coiffuresalon, eine vergrösserte Küche, eine verbesserte Wäscherei sowie 39 Einer- und Zweierzimmer von gehobenem Standard – alle rollstuhlgängig und mit eigener Nasszelle. Mit dieser Neu- und Umgestaltung setzte man die in der Altersplanung formulierte Idee der integrierten Pflege in die Wirklichkeit um und konnte jetzt in allen Zimmern den Pensionären die notwendige Pflege angedeihen lassen. Das Heim erlangte Vorbildcharakter im Kanton Schaffhausen.

Den Standard halten

In der Folge galt es, das erreichte Niveau zu halten und auf sich verändernde Situationen unverzüglich zu reagieren. Dazu gehörten 1996 die Öffnung des Heims für Einwohner aus Hemishofen, die Errichtung eines Pavillons 1998 im 1. Stock, die Schaffung einer Durchgangszone im 2. Obergeschoss (1999) sowie der Einbau einer neuen Kommunikationsanlage, dem so genannten Schwesternruf (2001).

Eine weitere Massnahme betraf die Qualitätssicherung. Diesbezüglich leitete das Heim 1999 ein umfassendes Programm ein. Die Analyse von 29 Leistungsbereichen führte zu einem höchst positiven Resultat, entsprechend wenige Verbesserungsvorschläge mussten umgesetzt werden. Der Führung und dem Personal wurde eine hohe Sozialkompetenz attestiert. Besonders erwähnt wurde auch die grosse Zufriedenheit der Pensionäre!

(Ende des Auszugs von Michel Guisolan)

Führungswechsel

Im Laufe des Jahres 2003 entschliessen sich Herbert und Margrit Maissen, nach 18-jähriger gemeinsamer Tätigkeit als Heim- und Pflegedienstleiter-Ehepaar, von einer vorzeitigen Pensionierung Gebrauch zu machen. Im September beantragen sie dem Stadtrat die Auflösung des Anstellungsverhältnisses per 30. Juni 2005.

In der Folge wird die Stelle ausgeschrieben und nach einem aufwändigen Auswahlverfahren wird Peter Keller aus Schaffhausen vom Stadtrat als neuer Nachfolger gewählt. Er übernimmt die operative Geschäftsleitung per 1.5.2005. Gleichzeitig mit diesem Wechsel kommt es auch hausintern zu einer Rochade. Die Leitung des Pflegedienstes wird neu an Frau Janine Hatt übertragen.

Im Wandel der Zeit

Im Jahre 2006 beginnt für das Heim ein neuer Meilenstein in Bezug auf die elektronische Datenverarbeitung. Einerseits wird die gesamte Bewohneradministration und Fakturierung auf eine spezielle für Heime ausgerichtete Datenbank umgestellt. Auf sämtliche relevanten Daten für Statistiken, Krankenkassen, Behörden, usw. kann nun schnell und effizient zugegriffen werden. Zudem wird die ganze Pflegeplanung über einen so genannten Pflegemanger abgewickelt und das gesamte Personal darin geschult. Alle Abteilungen erhalten neu Zugriff auf das zentrale System und am 18. April 2007 gehören die bisher von Hand geführten so genannten Kardex der Vergangenheit an. Das Altersheim Stein am Rhein bleibt damit auch in diesem Bereich weiterhin an vorderster Front im Vergleich zu andern Institutionen.

Im April 2007 bereitet der Heimleiter mit Rolf Rüttimann aus Stein am Rhein einen professionellen Internetauftritt vor. Die Site wird am 1. September 2007 aufgeschaltet. Unter der Adresse www.altersheim.sh finden sich zukünftig eine Fülle von Informationen und werden so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Die Administration wird damit nicht unwesentlich entlastet.

Die zunehmende Pflegebedürftigkeit und die kürzeren Aufenthaltszeiten der Bewohner machen auch im Bereich der Pflege eine Kurskorrektur notwendig. In einer interdisziplinären Arbeitsgruppe entwickelt das Heim ein neues Konzept im Bereich der Palliative Care. Es konnte per Ende März 2007 fertig gestellt und dank der bereits erfolgten Schulung des gesamten Personals sofort umgesetzt werden.

Im Hausdienst wird im Jahre 2006 und 2007 die Wäscherei auf den neusten Stand gebracht. Die Waschmaschinen werden auf das so genannte Wet-Cleanverfahren umgerüstet. Ein umweltfreundliches Verfahren und gesteuert von einer Waschmitteldosieranlage.

Rund 60 Prozent der Bewohner und Bewohnerinnen leiden zwischenzeitlich an irgend einer Form von dementiellen Erkrankungen, was hohe Ansprüche an das Personal stellt. Die Heimleitung entschliesst sich deshalb, das gesamte Personal in Bezug auf diese Situation zu sensibilisieren und ihnen den Arbeitsalltag mit einer umfassenden Weiterbildung zu erleichtern. Im Zentrum steht dabei die Validation nach Naomi Feil. Die Schulung findet im Herbst 2008 und im Frühjahr 2009 statt.

Im Frühjahr 2009 wird die kleine Liftanlage aus dem Jahre 1964 ersetzt sowie die Brandmeldeanlage den neusten Technologien angepasst und teilweise ersetzt. Ebenso werden sämtliche Parkettböden in den Bewohnerzimmern im Längsbau, im Saal sowie in der Villa geschliffen und neu versiegelt.

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